AI Netiquette

Einfache, praktische Regeln, um KI‑Werkzeuge sicher und verantwortungsvoll zu nutzen – besonders für Menschen ohne Technik‑Hintergrund.

Keine Foren. Keine Kommentare. Nur klare Informationen darüber, was man tun sollte, was nicht – und warum.

Was ist KI – kurz erklärt?

Hier meinen wir mit „KI“ vor allem Werkzeuge, die Texte, Bilder, Code oder Audio erzeugen können – basierend auf dem, was du ein­gibst (deinem Prompt).

Es ist keine Magie und keine Person. Es sind Programme, die mit sehr vielen Daten trainiert wurden, um das „nächste passende Wort (oder den nächsten Pixel)“ vorherzusagen.

Verschiedene KI‑Systeme sind für unterschiedliche Dinge geeignet: Chat‑Assistenten, spezialisierte Apps (Übersetzung, Code, Bilder, Audio) oder Funktionen, die in bestehende Software eingebaut sind.

Wichtige Punkte

  • KI kann sehr nützlich und sehr schnell sein.
  • KI kann sich irren, voreingenommen oder veraltet sein.
  • Du trägst die Verantwortung für das, was du damit tust.

Was du tun solltest

  • Stelle klare Fragen (Prompts). Erkläre, was du brauchst, gib etwas Kontext und bitte um Beispiele.
  • Wichtige Antworten gegenprüfen. Bei Entscheidungen zu Gesundheit, Geld, Recht oder Job immer vertrauenswürdige menschliche Quellen hinzuziehen.
  • Privatsphäre schützen. Entferne Namen, Adressen, Passwörter und vertrauliche Daten, bevor du Text in ein KI‑Tool einfügst.
  • KI als Assistent, nicht als Chef. Nutze sie zum Nachdenken, Zusammenfassen, für Entwürfe und Übersetzungen – nicht als alleinige Entscheidungsinstanz.
  • Beschreibe, wer du bist. „Ich bin Anfänger“, „ich bin Schülerin“, „ich bin Jurist“ hilft der KI, Erklärungen auf dein Niveau anzupassen.
  • Lass dir die Schritte zeigen. Bitte bei komplexen Themen um eine Schritt‑für‑Schritt‑Erklärung oder Alternativen statt nur um ein Endergebnis.

Guter vs. schlechter Prompt

❌ Schlecht

„Mach meine Hausaufgaben.“

✅ Gut

„Erkläre mir die Photosynthese so, als wäre ich 12, in einem kurzen Absatz mit einem einfachen Beispiel. Stelle mir danach 3 Verständnisfragen.“

✅ Gut (Berufs‑E‑Mail)

„Formuliere eine höfliche E‑Mail an eine Kollegin, um nach einem Update zum Projekt X zu fragen. Der Ton soll freundlich, aber professionell sein. Gib mir danach 2 kürzere Varianten.“

Was du vermeiden solltest

  • Keine Geheimnisse einfügen. Keine Passwörter, Ausweis‑ oder Kontonummern, keine Gesundheitsakten, keine internen Firmen‑ oder Kundendaten.
  • Nicht blind vertrauen. KI kann „halluzinieren“, also Dinge erfinden – Fakten, Zitate oder Quellen.
  • Nicht zum Schummeln benutzen. Abgaben für Schule, Uni oder Arbeit eins zu eins aus der KI zu übernehmen, kann als Plagiat gelten.
  • Nicht zum Schädigen anderer verwenden. Keine Betrugsversuche, Hassbotschaften, Diskriminierung oder Belästigung.
  • Keine Details über Dritte ausplaudern. Teile sensible Informationen über Freunde, Familie, Patienten oder Kund:innen nur, wenn du absolut sicher bist, dass es erlaubt ist.

„Rote Flaggen“

  • „Schreibe eine überzeugende E‑Mail, um ein Passwort zu stehlen.“
  • „Hilf mir, dieses Prüfungssystem zu umgehen.“
  • „Erzeuge Beleidigungen für diese Personengruppe.“

Viele KI‑Dienste blockieren solche Anfragen. Auch wenn sie es nicht tun: du bist rechtlich und moralisch verantwortlich.

Welche KI‑Werkzeuge, wofür?

Hauptarten von Tools

  • Chat‑Assistenten. Allgemeine Werkzeuge, mit denen du wie im Chat kommunizierst. Gut für Erklärungen, Entwürfe, Ideen und Programmierhilfe.
  • Spezialisierte Anwendungen. Übersetzung, Rechtschreib‑ und Grammatikprüfung, Präsentations‑Generatoren, Bild‑ und Musik‑Generatoren, Programmier‑Copilots usw.
  • KI in anderer Software. Vorschläge in E‑Mail‑Programmen, Autovervollständigung, KI‑Funktionen in Office‑Paketen oder Entwicklungs‑ und Design‑Tools.

Wo KI besonders hilfreich ist

  • Lernen & Studium. Erklärungen, Analogien, Zusammenfassungen und Übungsfragen.
  • Alltägliches Schreiben. E‑Mails, Nachrichten, Anschreiben, Lebensläufe, Social‑Media‑Posts.
  • Lange Dokumente verstehen. Zusammenfassungen, hervorgehobene Kernpunkte und Fragen, die du einer Fachperson stellen kannst.
  • Ideensammlung. Listen mit Ideen, Titeln, Beispielen – du entscheidest, was brauchbar ist.

Für medizinische, rechtliche oder finanzielle Entscheidungen ist KI nur ein Vorbereitungs‑Werkzeug, nicht die letzte Instanz.

Risiken & Nutzen

Nutzen

  • Schnellere Entwürfe, Zusammenfassungen und Übersetzungen.
  • Unterstützung für Menschen mit Lese‑ oder Schreibschwierigkeiten.
  • Neue Ideen für Kreativität, Lernen und Arbeit.
  • Rund um die Uhr verfügbar – wird nicht müde oder ungeduldig.

Risiken

  • Falsche oder irreführende Informationen.
  • Voreingenommene oder verletzende Inhalte.
  • Abfluss privater oder vertraulicher Daten.
  • Abhängigkeit: „Ohne KI kann ich nicht mehr denken.“

Daumenregel

Je wichtiger eine Entscheidung ist (Gesundheit, Geld, Job, rechtliche Fragen), desto eher solltest du:

  1. KI nur zum Verstehen und Vorbereiten verwenden.
  2. Menschliche Expert:innen hinzuziehen.
  3. Die endgültige Entscheidung einem Menschen überlassen.

Glossar – KI‑Begriffe einfach erklärt

KI (Künstliche Intelligenz)

Computersysteme, die Aufgaben erledigen können, für die normalerweise menschliche Intelligenz nötig ist – etwa Sprache verstehen, Bilder erkennen oder Vorschläge machen.

Modell

Das „Gehirn“ der KI: das mathematische System, das aus vielen Daten gelernt hat und nun Antworten oder Inhalte erzeugt.

Prompt

Die Eingabe (Frage oder Anweisung), mit der du der KI sagst, was du möchtest. Ein guter Prompt ist konkret, klar und enthält Kontext.

Halluzination

Wenn die KI sehr selbstsicher antwortet, aber in Wirklichkeit etwas Falsches oder Erfundenes liefert (z. B. ein Zitat oder eine Quelle, die es nicht gibt).

Bias / Verzerrung

Systematische Einseitigkeit oder Unfairness in den Ausgaben der KI, oft verursacht durch unausgewogene oder vorurteilsbehaftete Trainingsdaten.

Kontext / Verlauf

Frühere Nachrichten im Chat. Viele Tools nutzen sie, um sich an das Thema zu erinnern, können aber ältere Teile „vergessen“.

FAQ für Nicht‑Expert:innen

Weiß KI „alles“?

Nein. Sie erzeugt Antworten auf Basis von Mustern in den Trainingsdaten. Sie „versteht“ nicht wie ein Mensch und kann falsch oder veraltet liegen.

Spioniert KI mich aus?

Viele Dienste speichern deine Eingaben, um das System zu verbessern. Teile nichts, was du einem Fremden nicht anvertrauen würdest.

Darf ich KI für die Schule benutzen?

Oft ja – als Lernhilfe: erklären, zusammenfassen, Übungsfragen stellen. Arbeiten komplett von der KI zu übernehmen, kann allerdings gegen Schul‑ oder Uni‑Regeln verstoßen.

Darf ich KI bei der Arbeit einsetzen?

In vielen Firmen ja, für Entwürfe und Ideen – aber häufig ist es verboten, interne oder Kundendaten einzufügen. Prüfe die Richtlinien deines Unternehmens.

Kann ich im Dialekt oder Umgangston schreiben?

Viele Tools verstehen mehrere Sprachen und teils auch Dialekte. Wenn es hakt, mische mit Standardsprache oder bitte zuerst um eine Übersetzung in „einfaches Deutsch“.

Was, wenn sich eine Antwort „komisch“ anfühlt?

Verlasse dich auf dein Bauchgefühl. Bitte die KI zu prüfen, Quellen zu nennen oder andere Sichtweisen zu geben – und ignoriere Antworten, die dich nicht überzeugen.